Aktuell

Betreuende Angehörige: 24/7

Die Infoveranstaltung vom 17. Oktober 2018 im Alten Spital in Solothurn stand im Zeichen der pflegenden und betreuenden Angehörigen. Am Ende des Fachvortrags und Podiumsgesprächs herrschte vor allem der Konsens, dass es keine «typischen» betreuenden Angehörigen gibt.

Referentin Marianne Frech, Careum Forschung Zürich, Pflegeexpertin, Doktorandin SNF

Der Entlastungsdienst Schweiz, Aargau-Solothurn organisierte eine Informationsveranstaltung für betreuende und pflegende Angehörige, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Der Anlass diente auch Plattform für die verschiedenen Entlastungsanbieter der Region. Interessierte Besucher und Fachpersonen lauschten dem Fachvortrag von Marianne Frech von Careum Forschung Zürich, Expertin und Forscherin im Bereich Angehörige. Sie betonte, welche Stütze pflegende und betreuende Angehörige für das Gesundheitssystem sind und dass die Politik – auf kommunaler wie auch auf nationaler Ebene – in der Pflicht steht. Egal, welche Rolle(n) Angehörige wahrnehmen, am Ende des Tages sind auch sie nur Menschen. Angewiesen auf ein gutes Netzwerk und auf den Zugang zu relevanten Unterstützungsangeboten.

Podiumsdiskussion

Ob Mutter, Vater, Tochter, Schwiegersohn – alle können einmal in eine Lebenssituation geraten, in denen sie entweder selber betreut werden müssen oder einen Angehörigen pflegen. Im Podiumsgespräch wurde auf die verschiedenen Rollen eingegangen, auf die Schwierigkeiten und Lichtblicke. Betreuende Angehörige leisten sehr viel, müssen aufgrund von Doppel- und Dreifachbelastungen vieles aufgeben und setzen dabei vielfach auch ihre eigene Gesundheit aufs Spiel. Drei Personen erzählten von ihren ganz individuellen Erfahrungen. Ein 89-jähriger Mann, der im Alter noch lernt zu kochen, weil seine Frau diese Aufgabe aufgrund ihrer Demenz nicht mehr wahrnehmen kann. Einmal in der Woche geht er golfen und sagt, wie wichtig es ist, die Kontakte aus der Schulzeit und Berufsleben zu pflegen. Eine junge Frau, die sich nach einem Hirnschlag plötzlich wieder lernen muss, einen Fuss vor den anderen zu setzen und dabei auf angewiesen ist. Eine Pflegefachperson in einer leitenden Position, die sich als betreuende Angehörige plötzlich in einer ganz anderen Rolle wiederfindet. Sie alle diskutierten offen und unverblümt über die Schattenseiten von betreuenden Angehörigen. In der Diskussion wurde immer wieder klar, wie verschieden die Bedürfnisse der involvierten Parteien sind. Weil die Bedürfnisse so verschieden liegen, sind die verschiedenen Angebote so wichtig.

Verschiedene Anbieter von Unterstützungsangeboten waren vor Ort: Alzheimer Solothurn, Entlastungsdienst Schweiz, Aargau-Solothurn, Kontaktstelle Selbsthilfe, Kanton Solothurn, Pro Senectute Solothurn, Pro Infirmis Aargau-Solothurn, Spitex Region Solothurn, SRK Kanton Solothurn. Es kann uns alle treffen und deshalb ist es wichtig, die verschiedenen Anbieter zu kennen.