Medienmitteilung

Betreuende Angehörige brauchen Pausen

Autor*in:

Elena Ibello

| Publiziert am

29.10.2021

Was Menschen, die Nahestehende zuhause betreuen, täglich leisten, ist beeindruckend. Und es ist ein essenzieller Beitrag an der Gesellschaft, ohne den das Schweizer Gesundheitssystem zum Kollaps käme. Betreuende und pflegende Angehörige stehen darum am Samstag, 30. Oktober 2021 im Mittelpunkt.

Am Tag für pflegende und betreuende Angehörige 2021 will der Entlastungsdienst Schweiz all jenen, die im privaten Umfeld Betreuungsaufgaben übernehmen, von Herzen danken.

Danke sagen allein, reicht aber nicht. Betreuende Angehörige brauchen regelmässige Pausen, um sich zu erholen.

Doch nicht alle Betroffenen können sich das leisten. Denn nur ein kleiner Teil der Sorgearbeit kann zum Beispiel an die Spitex delegiert werden und wird von der Allgemeinheit über die Krankenkassen getragen. Wer darüber hinaus Entlastung braucht, muss sie selber bezahlen.

Darum stellt der Entlastungsdienst Schweiz den Tag für pflegende und betreuende Angehörige unter das Motto «Gut betreut daheim: eine Frage des Geldes». Die Forderung:

Betreuung muss in der Schweiz so finanziert werden, dass sie für alle zugänglich ist.

Zuhause braucht es Hilfe bei nicht-pflegerischen Aufgaben

Aus einer Bevölkerungsbefragung vom Oktober 2019 geht hervor, dass rund eine Million Menschen in der Schweiz Angehörige betreuen . Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2017 liegt der grösste Bedarf zuhause bei nicht-pflegerischen Aufgaben: Hilfe im Haushalt, bei Einkäufen und schweren Hausarbeiten sowie bei administrativen Tätigkeiten. Alles nicht-kassenpflichtige Leistungen, für die die betreuenden Angehörigen ins eigene Portemonnaie greifen müssen.

Dabei sind Verschnaufpausen essenziell für betreuende Angehörige. Sie sind nötig, damit die Betroffenen ihre Aufgabe über längere Zeit erfüllen können, ohne dabei die eigene Gesundheit und Lebensqualität zu gefährden. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass betreuende Angehörige überdurchschnittlich stark gefährdet sind, selbst zu erkranken .

Dank an pflegende und betreuende Angehörige

Die Anerkennung für den vielfältigen Einsatz von pflegenden und betreuenden Angehörigen ist wichtig. Der Dank an die Angehörigen soll am 30. Oktober überall gehört werden. Dar-über hinaus ist es aber nötig, die Rahmenbedingungen für die betreuenden Angehörigen zu verbessern. Hier ist jetzt die Politik gefragt.

Diese hat das Problem erkannt . Allerdings fehlen noch entscheidende Schritte, um konkreten Lösungen näherzukommen. Während halbherzig nach konsensfähigen Lösungen gesucht wird, bleiben betreuende Angehörige Tag und Nacht engagiert und leisten die für uns alle existenzielle Sorgearbeit mit Herz und Hand.

Zum 30. Oktober 2021 sind verschiedene regionale Aktivitäten geplant.

Details, auch zum Thema «bezahlbare Betreuung»: www.angehoerige-pflegen.ch

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Entlastungsdienst Schweiz

Der Entlastungsdienst Schweiz ist eine professionell geführte Non-Profit-Organisation, die gute Betreuung zu sozialverträglichen Tarifen gewährleisten kann. Dies gelingt mithilfe von Spenden, Mitgliederbeiträgen, Zuwendungen von Stiftungen und punktuell Beiträgen der öffentlichen Hand. Der Entlastungsdienst Schweiz ist der Dachverband kantonaler Vereine. Er verfügt über einen Pool von mehr als 800 Betreuungspersonen, die jährlich in 1’700 Haushalten knapp 150'000 Stunden Entlastung leisten. www.entlastungsdienst.ch

Der Entlastungsdienst hat den Tag für pflegende und betreuende Angehörige vor sechs Jahren in der Deutschschweiz initiiert. Inzwischen beteiligen sich auch weitere Organisationen.

Tag für pflegende und betreuende Angehörige

Zum Beispiel: Familie Levy

Karin Levy möchte so lange wie möglich zuhause leben. Sie ist 75 und an Demenz er-krankt. Ihre Töchter Sonja (40) und Jessica (42) sorgen dafür, dass ihre Mutter in ihrer vertrauten Umgebung bleiben kann. Pflege braucht Karin Levy zurzeit keine, aber Betreuung rund um die Uhr. Darum wird die Familie von Betreuerinnen und Betreuern des Entlastungsdienstes Schweiz – Kanton Zürich unterstützt. «Der Entlastungsdienst ist Gold wert für uns. Einerseits ist meine Mutter aufgestellt und hat keine depressiven Verstimmungen mehr und andererseits können wir Töchter unser eigenes Leben führen», sagt Jessica Levy. Die Kosten für die Betreuung zuhause trägt die Familie allerdings selbst. Die Tarifreduktionen beim Entlastungsdienst Schweiz verschaffen etwas Zeit, doch irgendwann wird das Geld aufgebraucht sein. Karin Levy ist gezwungen, für das Leben zuhause den Grossteil ihres Vermögens aufzubrauchen. Ihre Töchter müssen damit leben, dass sie ihre Mutter in ein Heim geben müssen, sobald das Geld aufgebraucht ist. Das ist für alle eine schwierige Vorstellung. «Es fehlen regional verfügbare Angebote, die bezahlbar sind. Unsere Mutter braucht keine Pflege, sondern Betreuung», sagen die Töchter.

Für weitere Auskünfte wenden Sie sich an:

Elena Ibello

Entlastungsdienst Schweiz
Kommunikationsbeauftragte

elena.ibello@entlastungsdienst.ch
Telefon 079 400 37 55

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