Wie können Menschen gesundheitliche Krisen meistern?

Publiziert am

2.2.2021

Zum Tag der Kranken vom 7. März 2021 ruft der Entlastungsdienst Schweiz zusammen mit anderen Organisationen dazu auf, offen über Krankheiten und Beeinträchtigungen zu sprechen. Auch, um voneinander zu lernen, wie wir schwierige Situationen meistern können, um uns gegenseitig zu unterstützen und um Hilfe anzunehmen.

Im vergangenen Jahr wurde deutlich: Gesundheit ist nicht selbstverständlich und wir alle geraten schnell in eine Situation, in der wir auf Unterstützung angewiesen sind. Auch wenn wir die Corona-Pandemie dereinst hinter uns lassen könnten: Wir alle sind im Laufe unseres Lebens mit Krankheiten und Beeinträchtigungen konfrontiert – sei es als Angehörige, sei es, weil wir selber eine Diagnose erhalten oder einen Unfall erleiden.

Krankheiten und Beeinträchtigungen schränken aber nicht nur körperlich ein, sie haben auch einen Einfluss auf unsere Psyche – für Direktbetroffene wie für Angehörige. Darüber offen zu reden, ist wichtig. Denn es zeigt Betroffenen, dass sie nicht alleine sind und dass wir als Gesellschaft dem Thema Gewicht geben. Offen über Krankheiten und Beeinträchtigungen zu reden hilft, damit umzugehen.

Offen reden sollten wir auch darüber, was uns guttut, wenn wir eine schwierige Zeit durchmachen. So können wir voneinander lernen und vergessen nicht, auf uns selbst zu achten und in unsere Resilienz zu investieren.

Ob und wie stark eine Krankheit – oder eine Krise wie die Corona-Pandemie – seelisch belastet, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Die Fähigkeit, eine schwierige Situation zu meistern und aus dieser mit einem guten Selbstwertgefühl und manchmal sogar gestärkt herauszugehen, wird in der Fachwelt Resilienz genannt.

Die gute Nachricht: Diese Widerstandsfähigkeit ist von klein an bis ins hohe Alter lernbar. Es lohnt sich, in guten Zeiten in die Resilienz zu investieren.

Eine «Notfall-Liste» erstellen

Auch wenn es dafür kein Patentrezept gibt und jede Person für sich selbst herausfinden muss, was für das eigene Wohlbefinden wichtig ist: Eine Liste mit Dingen und Handlungen zu erstellen, die einem gut tun oder einem helfen, kann in einer Krise eine grosse Hilfe sein. Es lohnt sich, die Liste in guten Zeiten anzulegen, wenn man leichter Ideen findet und zugänglicher für Lösungen ist. Ist die Krise da, fehlt uns oft genau diese Fähigkeit. Wer dann vorgesorgt hat, findet vielleicht schneller Tritt, um weitere Unterstützung zu holen.

Am Tag der Kranken vom 7. März 2021 wollen wir zeigen, dass Menschen mit Krankheit und Beeinträchtigung auch Kämpferinnen und Kämpfer sind. Dass wir uns alle gegenseitig stützen und auf uns selbst achten können und sollen.

Doch Resilienz zu entwickeln ist keine Einzelkämpferhandlung: Ein wichtiger Aspekt ist die Gemeinschaft, das soziale Umfeld. Dazu zählen Freunde, Familie aber auch neue Kontakte, zum Beispiel mit Menschen, die ein ähnliches Schicksal teilen oder dieses bereits bewältigt haben.

Betreuende Angehörige brauchen Auszeiten

Und noch etwas ist wichtig für uns als Gesellschaft: Nicht alle haben die Möglichkeit, sich regelmässig um sich selbst zu kümmern. Aber genau das ist nötig, um psychisch gesund zu bleiben – gerade in Zeiten von Krisen. Angehörige von Menschen mit Krankheit oder Beeinträchtigung sind immer mitbetroffen. Ihre Aufgabe als Betreuende ist anspruchsvoll.

Umso mehr brauchen sie Entlastung und Ausgleich, um selbst gesund zu bleiben. Der Entlastungsdienst Schweiz fordert deshalb: Betreuung und Entlastung zuhause muss für alle Menschen zugänglich sein.

Und das heisst auch: Sie muss finanziert werden. Dafür setzt sich der Entlastungsdienst Schweiz seit Jahren ein. Auch dieses Jahr. Mehr zu konkreten Forderungen folgt bald.

Renate Marthy beispielsweise redet offen über ihre Krankheitsgeschichte. Der Verein «Tag der Kranken» darf ihre Geschichte teilen. Für Renate Marthy gehören Verletzlichkeit und Stärke zusammen. Sie ist überzeugt, dass aus der Verletzlichkeit eine innere Stärke wächst, die es braucht, um das Leben in solch schwierigen Situationen zu meistern. Angehörigen und Freunden rät sie, auf kranke und beeinträchtigte Menschen zuzugehen und keine Angst davor zu haben, Kontakt aufzunehmen und nachzufragen, wie es geht. Ihr hat es sehr geholfen über die Krankheit zu sprechen: «Die eigene Geschichte erzählen zu können, ist Verarbeitung und schafft Erleichterung. Dadurch lernt man diese und sich selber besser zu verstehen.»

Mehr über die Geschichte von Renate Marthy

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